Luhacovice ist nicht nur ein Kurort. In der stadtischen Denkmalschutzzone, die sich uber zwei Kilometer vom Bahnhof uber die Masaryk-Allee bis zum Kurpark erstreckt, befinden sich 30 unbewegliche Kulturdenkmaler, die im Zentralverzeichnis der Kulturdenkmaler der Tschechischen Republik eingetragen sind. Hinzu kommt eine einzigartige archaologische Statte — ein slawisches Hugelgraberfeld auf dem Hugel Obora.
Die Denkmalschutzzone wurde zum Schutz dieses einzigartigen stadtebaulichen Ensembles eingerichtet, in dem die Jugendstilarchitektur von Dusan Jurkovic mit klassizistischen und barocken Villen, Kurpavillons und Sakralbauten verschmilzt. Ganze 92 Prozent der geschutzten Gebaude im Kerngebiet befinden sich noch immer im Besitz der Lazne Luhacovice, a.s., und erfullen nach wie vor ihren ursprunglichen Zweck — Heilbehandlung, Unterkunft und Geselligkeit. Gerade diese Authentizitat fuhrte zur Nominierung des Kurzentrums fur die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste.
Der slowakische Architekt Dusan Samo Jurkovic (1868–1947) verlieh Luhacovice sein unverwechselbares Gesicht. Zwischen 1902 und 1903 entwarf er hier eine Reihe von Bauten in einem einzigartigen Stil, der als Volksjugendstil bezeichnet wird — eine Verbindung mahrischer und slowakischer Folklore mit den Prinzipien des modernen Jugendstils. Heute sind in Luhacovice noch acht seiner denkmalgeschutzten Bauten erhalten.
Adresse: Lazenske namesti 109 | Reg.-Nr.: 20965/7-1972
Das symbolische Zentrum von Jurkovics Schaffen in Luhacovice. Das Kurhaus mit reich verzierter Fassade und Gedenktafel steht direkt am Kurplatz und ist Ausgangspunkt fur einen Spaziergang entlang der Jurkovic-Bauten. Hier konzentrierte sich die UNESCO-Nominierung.
Adresse: Lazenske namesti 126 | Reg.-Nr.: 10453/7-8500
Eine Blockhaus-Villa, von Jurkovic als Erholungsobjekt entworfen. Ihre folkloristische Verzierung und Holzkonstruktionen stellen eines der reinsten Beispiele des Volksjugendstils im Kurort dar.
Adresse: Leose Janacka 238 | Reg.-Nr.: 38589/7-1975
Ein markantes Gebaude am Nordrand des Kurparks, benannt nach der nahegelegenen Jestrabi-Quelle. Jurkovics Villa mit Steg und charakteristischen Holzelementen bildet die Nordgrenze der vorgeschlagenen UNESCO-Zone.
Adresse: Leose Janacka 97, 124, 320 | Reg.-Nr.: 32562/7-1971
Ein weitlaufiger Komplex mit Hydrotherapie, Umkleiden, Schwimmbecken und Moorbader. Jurkovics Konzept verband funktionale Hygiene mit asthetischem Erlebnis — die Holzkabinen und Pavillons dienen noch heute den Kurgasten.
Adresse: Betty Smetanove 388 | Reg.-Nr.: 44170/7-8918
Ein Kurpavillon, benannt nach der Hirtenaxt — der Valaska. Das Gebaude von 1902 gehort zu den kleineren, aber architektonisch reizvollsten Werken Jurkovics in Luhacovice.
Adresse: Dr. Palka Blaho 361 | Reg.-Nr.: 101678
Ein Kurhaus fur Inhalationstherapie. Jurkovic entwarf es als funktionale medizinische Einrichtung mit typischer Jugendstildekoration. Erst 2005 unter Denkmalschutz gestellt.
Adresse: Lazenske namesti 427 | Reg.-Nr.: 29250/7-8869
Ein kleines Gebaude bei den Tennisplatzen im Kurpark. Auch an diesem Sportpavillon setzte Jurkovic seine typische ornamentale Handschrift ein.
Adresse: Lazenske namesti 308 | Reg.-Nr.: 36144/7-1976
Ein Kurhaus, das den Namen des tschechischen Komponisten tragt. Das Gebaude aus Jurkovics Schaffensperiode verbindet Erholungs- und Heilfunktion mit ausdrucksstarker Architektur.
Um Jurkovics Wahrzeichen herum entstand um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert eine Reihe von Villen, die das Bild der Kurstadt vervollstandigen. Jede tragt ihren eigenen Namen, ihre eigene Geschichte und ihren eigenen architektonischen Charakter.
Adresse: Lazenske namesti 95 | Reg.-Nr.: 46951/7-8966
Eine Villa mit Kurmuseum und Steg. Sie liegt direkt im Zentrum des Kurplatzes und prasentiert die Geschichte des Kurbads von seinen Anfangen.
Adresse: Masarykova 211 | Reg.-Nr.: 12033/7-8474
Eine elegante Villa an der Masaryk-Allee, seit 1992 denkmalgeschutzt. Ein typisches Beispiel der Kurvilla-Architektur des spaten 19. Jahrhunderts.
Adresse: Masarykova 180 | Reg.-Nr.: 12035/7-8484
Svetlanas Nachbarin an der Masaryk-Allee. Die Villa aus der Jahrhundertwende bewahrt ihre ursprungliche Anlage und Fassade.
Adresse: Masarykova 209 | Reg.-Nr.: 100111
Eine Villa mit Einfriedung, seit 2003 denkmalgeschutzt. Benannt nach der mahrischen Region Hana, aus der ein erheblicher Teil der Kurgaste stammte.
Adresse: Leose Janacka 269 | Reg.-Nr.: 12036/7-8489
Benannt nach ihrem ersten Besitzer. Die Villa in der Leos-Janacek-Strasse gehort zur Gruppe der seit 1992 geschutzten Bauten.
Adresse: Leose Janacka 270 | Reg.-Nr.: 29249/7-8871
Die Nachbarvilla von Pracner in derselben Strasse. Seit 2000 denkmalgeschutzt, bewahrt sie ihren ursprunglichen architektonischen Charakter.
Adresse: Ces. armady 395 | Reg.-Nr.: 12037/7-8465
Eine Villa im sudlichen Teil der Denkmalschutzzone mit einem Volksnamen. Seit 1992 denkmalgeschutzt.
Adresse: Holubyho 384, Prazska ctvrt | Reg.-Nr.: 18430/7-8062
Im Prager Viertel gelegen, etwas abseits des Kurkerns. Der Name bezieht sich auf das biblische Emmaus.
Adresse: Lazenske namesti 170 | Reg.-Nr.: 47106/7-8965
Ein Kurpavillon mit Steg direkt am Kurplatz. Der Name verweist auf die ursprungliche rosa Farbe der Fassade. Denkmal seit 2001.
Die grossen Kurgebaude bilden das Ruckgrat von Luhacovice. Ohne sie ware die Stadt kein Kurort.
Adresse: Lazenske namesti, st. 144 | Reg.-Nr.: 101626
Das Wahrzeichen von Luhacovice. Der Komplex umfasst die Grosse Kolonnade, die Kleine Kolonnade und die Vincentka-Halle. Der monumentale Bau von 1947 des Architekten Obratil ersetzte die altere Jurkovic-Kolonnade. Erst 2005 unter Denkmalschutz gestellt.
Adresse: Lazenske namesti 127 | Reg.-Nr.: 101624
Zentrum des gesellschaftlichen Lebens im Kurort. Hier finden Konzerte, Balle und Kulturveranstaltungen statt. Seit 2005 denkmalgeschutzt.
Adresse: Masarykova 152 | Reg.-Nr.: 12042/7-8479
Ein Kurpavillon an der Masaryk-Allee. Der funktionalistische Bau reprasentiert eine modernere Schicht der Kurarchitektur. Seit 1992 denkmalgeschutzt.
Adresse: Masarykova 288 | Reg.-Nr.: 12034/7-8485
Ein Kurpavillon, benannt nach dem heiligen Berg der Beskiden. Seit 1992 denkmalgeschutzt.
Adresse: Dr. Palka Blaho 289 | Reg.-Nr.: 101654
Ein Kammertheater im Herzen des Kurgebiets. Hier findet jahrlich das Festival Janacek und Luhacovice statt. Seit 2005 denkmalgeschutzt.
Auch in einer Kurstadt haben Kapellen, Kreuze und Bildstocke ihren Platz — Erinnerungen an die tiefere geistliche Tradition der Region.
Adresse: Dr. Palka Blaho, st. 149 | Reg.-Nr.: 19621/7-1977
Eine neogotische Kapelle aus dem 19. Jahrhundert im Nordteil des Kurparks. Der Heiligen Elisabeth von Thuringen geweiht, der Schutzpatronin der Kranken und Armen — eine passende Wahl fur eine Kurstadt.
Adresse: Masarykova 76 (Teil des Schlosses) | Reg.-Nr.: 22925/7-1969
Eine Barockkapelle, dem Heiligen Joseph geweiht, Teil des Schlossensembles. Sie entstand wahrend des Umbaus des Schlosses durch die Familie Serenyi in den Jahren 1730–1738.
Adresse: Leose Janacka, Hang unterhalb Jestrabi, pp. 649/8 | Reg.-Nr.: 40872/7-1983
Ein steinerner Bildstock am Hang unterhalb der Villa Jestrabi. Ein kleiner Sakralbau, der an die religiose Tradition der Region erinnert.
Adresse: Masarykova 76 (Schlossgelande) | Reg.-Nr.: 22925/7-1969
Eine Barockstatue des Schutzpatrons der Landwirtschaft im Schlossgelande. Teil des denkmalgeschutzten Schlossensembles.
Adresse: Masarykova 76 | Reg.-Nr.: 22925/7-1969
Das Schloss Luhacovice ist eines der altesten Gebaude der Stadt. Ursprunglich eine Renaissance-Festung, wurde es von der Familie Serenyi zwischen 1730 und 1738 im Barockstil umgebaut. Die Serenyis herrschten fast drei Jahrhunderte lang uber Luhacovice und beeinflussten massgeblich die Entwicklung von Stadt und Kurort.
Das Schlossensemble umfasst das Hauptgebaude, die Kapelle des Hl. Joseph und die Statue des Hl. Gotthard. Heute dient es als Sitz der Stadtverwaltung und Kulturzentrum. Im Schlosshof finden Sommerkonzerte und gesellschaftliche Veranstaltungen statt.
Wikipedia | Mehr uber die Serenyis: Die Familie Serenyi — Adlige, die 300 Jahre uber Luhacovice herrschten
Adresse: Lazenske namesti, pp. 839/6 | Reg.-Nr.: 29620/7-1978
Ein Denkmal fur den Grunder des modernen Luhacovice. MUDr. Frantisek Vesely (1862–1923) verwandelte ein verschlafenes Stadtchen in ein weltberuhmtes Heilbad — er war es, der den Architekten Jurkovic holte und den Bau der Kolonnade, Hotels und Infrastruktur durchsetzte. Das Denkmal steht auf dem Kurplatz als Ausdruck der Dankbarkeit der Stadt.
Adresse: Hang hinter dem Inhalatorium, pp. 673/1 | Reg.-Nr.: 28562/7-1979
Eine Bronzebuste des genialen Komponisten, der in Luhacovice Inspiration fur seine beruhmtesten Werke fand. Hier traf er Kamila Stosslova, die Muse seiner spaten Opern. Die Buste steht am Hang hinter dem Inhalatorium, in der Stille des Kurparks.
Adresse: Dr. Veseleho 468 | Reg.-Nr.: 101728
Ein funktionalistisches Postgebaude aus der Zwischenkriegszeit. Seit 2006 als Beispiel qualitatsvoller offentlicher Architektur der Ersten Republik denkmalgeschutzt.
Adresse: Dr. Veseleho 178 | Reg.-Nr.: 29247/7-8873
Eine historische Villa, die als Apotheke dient. Seit 2000 denkmalgeschutzt.
Adresse: Ces. armady 265 | Reg.-Nr.: 10448/7-8503
Reste einer steinernen Weinstube im Volksstil. Ursprunglich als mahrische Weinstube und Gesellschaftsort genutzt. Seit 1992 denkmalgeschutzt.
Auf dem Hugel Obora (386 m u. M.), nordwestlich der Stadt, befindet sich ein slawisches Hugelgraberfeld — eine Begrabnisstate aus dem 9. Jahrhundert, der Zeit Grossmahrens. Ursprunglich bis zu 60 Hugel, sind heute noch 49 sichtbar.
Das Graberfeld wurde vom Lehrer Jakub Balhar entdeckt. In den Jahren 1921–1922 fuhrte der Archaologe Inocenc Ladislav Cervinka auf Kosten des Staatlichen Archaologischen Instituts systematische Ausgrabungen durch — er offnete 40 Hugel. Der reichste Fund war das Kriegergrab: ein Tongefass mit Wellenmustern, eine Eisenaxt, ein Messer, Sporen, Spangen und Schnallen, eine Eisensichel und Beschlage eines Holzeimers.
Die Toten wurden auf Bodenniveau oder in tiefen Gruben bestattet, mit dem Kopf nach Westen und den Fussen nach Osten. Einige Hugel enthielten Brandstellen oder schrag eingeschlagene Pfahle.
Reg.-Nr.: 16568/7-1984 | Wikipedia | Ausfuhrlich: Hugelgraberfeld auf der Obora — das 1.100 Jahre alte Geheimnis von Luhacovice
Die meisten Denkmaler befinden sich im Umkreis von 500 Metern vom Kurplatz und sind von aussen frei zuganglich. Wir empfehlen, die Tour an der Kolonnade zu beginnen, am Jurkovic-Haus vorbei nach Norden zu Jestrabi und zum Inhalatorium zu gehen und dann uber das Gesellschaftshaus zum Schloss zuruckzukehren. Zum Hugelgraberfeld auf der Obora fuhrt ein Wanderweg vom Zentrum — der Weg dauert etwa 30 Minuten.
Interaktive Karte aller Denkmaler: Karte der Kulturdenkmaler von Luhacovice
Karel Kadlcik · Luhacovice.cz