Hugelgraberfeld auf der Obora — das 1.100 Jahre alte Geheimnis von Luhacovice

Hugelgraberfeld auf der Obora — das 1.100 Jahre alte Geheimnis von Luhacovice

Auf dem bewaldeten Hugel Obora (386 m u. M.), knapp drei Kilometer nordwestlich des Zentrums von Luhacovice, verbirgt sich eine der bedeutendsten archaologischen Statten Ostmahrens — ein slawisches Hugelgraberfeld aus dem 9. Jahrhundert, der Zeit des Grossmahrischen Reiches.

Das Graberfeld stellt eine umfangreiche Begrabnisstate dar, an der Angehorige einer fruhmittelalterlichen Gemeinschaft ihre Toten unter aufgeschutteten Erdhugeln bestatteten. Die Statte steht als Kulturdenkmal unter der Registriernummer 16568/7-1984 unter Schutz.

Entdeckung und erste Berichte

Das Hugelgraberfeld wurde vom ortlichen Lehrer Jakub Balhar entdeckt, der regelmasige Erdformationen im Wald auf der Obora bemerkte und sie richtig als Grabhugel identifizierte. Balhars Beobachtung zog die Aufmerksamkeit von Fachleuten auf sich und ebnete den Weg fur systematische Forschung.

Cervinkas Ausgrabung 1921–1922

In den Jahren 1921 und 1922 fuhrte Inocenc Ladislav Cervinka, einer der bedeutendsten mahrischen Archaologen seiner Zeit, eine umfangreiche archaologische Ausgrabung an der Statte durch. Die Forschung wurde vom Staatlichen Archaologischen Institut finanziert. Cervinka offnete insgesamt 40 Hugel und dokumentierte sorgfaltig deren Inhalt.

Die Hugel waren in einem unregelmassigen Achteck angeordnet. Cervinka stellte fest, dass die Bestattungspraktiken variierten — einige Graber enthielten Skelettrelikte, andere Brandbestattungen. Die Leichen wurden entweder auf Bodenniveau oder in tiefen Gruben niedergelegt. Die vorherrschende Ausrichtung war Kopf nach Westen und Fusse nach Osten, in einigen Fallen jedoch auch umgekehrt in Nord-Sud-Richtung.

Das Kriegergrab — der reichste Fund

Cervinkas bedeutendster Fund war ein Kriegergrab mit reichen Beigaben, die vom hohen gesellschaftlichen Status des Bestatteten zeugen. Das Grabinventar umfasste:

Andere Hugel enthielten Keramik, Messer, Eimer oder Pfeilspitzen. Einige waren leer — es konnte sich um symbolische (Kenotaph-)Graber gehandelt haben. In mehreren Hugeln wurden ausgedehnte Brandstellen und schrag eingeschlagene Pfahle gefunden, deren Zweck Gegenstand der Diskussion bleibt.

Wie viele Hugel haben uberlebt?

Bei den ersten Untersuchungen wurden etwa 60 Hugel gezahlt. Eine spatere Revision reduzierte die Zahl auf 54. Bei der letzten grundlichen Kartierung im Jahr 2020 wurden nur noch 49 sichtbare Hugel identifiziert. Der Ruckgang ist auf naturliche Erosion, Forstwirtschaft und teilweise auch auf Cervinkas Ausgrabungen zuruckzufuhren, die einige der Hugelstrukturen beschadigten.

Grossmahrischer Kontext

Das Hugelgraberfeld auf der Obora gehort in die mittlere Burgwallzeit (9. Jahrhundert), die Blutezeit des Grossmahrischen Reiches. Die Region Luhacovice lag am ostlichen Rand des grossmahrischen Territoriums, in einer Kontaktzone mit den Karpatenpassen nach Slowakei. Die Anwesenheit eines reich ausgestatteten Kriegergrabes deutet darauf hin, dass die hiesige Gemeinschaft nicht nur eine landwirtschaftliche Siedlung war, sondern auch militarische Bedeutung hatte.

Mehr uber die altesten Bewohner der Region: Die altesten Bewohner von Luhacovice — von der Vorgeschichte bis zu den ersten Matriken

Wie man das Graberfeld besucht

Das Hugelgraberfeld ist ganzjahrig frei zuganglich. Vom Zentrum von Luhacovice fuhrt ein Wanderweg in nordwestlicher Richtung — der Weg dauert etwa 30 Minuten mit leichtem Anstieg durch den Wald. Die Hugel sind im Gelande als niedrige Erdwalle (0,5–1,5 m hoch) zwischen Buchen und Hainbuchen erkennbar. Eine Informationstafel vor Ort beschreibt die Geschichte der Lokalitat.

Koordinaten: 49°6'44.85" N, 17°44'58.45" E

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Karel Kadlcik · Luhacovice.cz