AntonĂ­n VĂĄclavĂ­k und sein „LuhačovskĂ© ZĂĄlesí“ – ein Buch, das eine verschwindende Welt festhĂ€lt

Ein Lehrer aus Pozlovice, der zum Professor wurde

AntonĂ­n VĂĄclavĂ­k wurde am 12. Juli 1891 in Pozlovice geboren – einem Ort, der heute zu Luhačovice gehört. Er wuchs in einer Region auf, in der noch Trachten getragen wurden, bei Erntefesten gesungen wurde und jeder Bauernhof seinen unverwechselbaren Charakter hatte. Diese Welt faszinierte ihn seit seiner Kindheit und prĂ€gte sein gesamtes Berufsleben.

Nach seinem Studium an der Lehrerbildungsanstalt begann er als Landlehrer zu arbeiten. Doch schon damals wusste er, dass er das festhalten wollte, was um ihn herum zu verschwinden drohte – die traditionelle Kultur des Luhačovice-ZĂĄlesĂ­, die sich unter dem Druck der Modernisierung rasch wandelte. Zusammen mit seinem Bruder FrantiĆĄek begann er, systematisch ethnografisches Material zu sammeln: Er schrieb Volkslieder auf, dokumentierte Trachten, fotografierte GebĂ€ude und hielt BrĂ€uche und Sitten fest.

Die GrĂŒndung des Museums im Jahr 1918

Ein Wendepunkt war die GrĂŒndung des Regionalmuseums. WĂ€hrend der schwierigen Jahre des Ersten Weltkriegs gelang es VĂĄclavĂ­k, so viele Exponate zu sammeln, dass am 28. Juli 1918 – also noch vor der GrĂŒndung der Tschechoslowakei – eine Museumsausstellung in dem GebĂ€ude namens „ZĂĄmeček“ oberhalb der Kurkolonnade eröffnet werden konnte.

Knapp einen Monat spĂ€ter, am 12. August 1918, wurde der Museumsverein in Luhačovice gegrĂŒndet, der an VĂĄclavĂ­ks systematische Sammel- und Dokumentationsarbeit anknĂŒpfte. VĂĄclavĂ­k nahm die Klassifizierung der Sammlungen und deren Installation vor und legte damit den Grundstein fĂŒr eine Institution, die bis heute besteht.

Die Monografie von 1930 – Höhepunkt eines Lebenswerks

Die Veröffentlichung der monumentalen Monografie „LuhačovskĂ© ZĂĄlesí“ im Jahr 1930 war der Höhepunkt der TĂ€tigkeit des Museumsvereins und VĂĄclavĂ­ks selbst. Der vollstĂ€ndige Titel des Werks lautete: LuhačovskĂ© ZĂĄlesĂ­: Beitrag zur ethnografischen Grenze zwischen Wallachien, der Slowakei und der HanĂĄ.

Auf 672 Seiten behandelt die Monografie Traditionen, VolksbrĂ€uche, Kunst, demografische und wirtschaftliche Aspekte, Bildung sowie Gesundheitsversorgung in der Region LuhačovskĂ© ZĂĄlesĂ­. Der Text wird durch 800 Abbildungen – Fotografien, Zeichnungen und Reproduktionen – ergĂ€nzt. An der bildlichen Dokumentation haben fĂŒhrende mĂ€hrische KĂŒnstler mitgewirkt, unter anderem JoĆŸa Úprka und FrantiĆĄek Hlavica.

Das Buch beleuchtet die Region an der Schnittstelle dreier KulturrĂ€ume – Wallachien, SlovĂĄcko und HanĂĄ – und zeigt, wie sich diese EinflĂŒsse im ZĂĄlesĂ­ vermischten und eine eigenstĂ€ndige lokale Kultur schufen. Dies ist bis heute der wichtigste wissenschaftliche Beitrag des Werks: VĂĄclavĂ­k hat die Region nicht nur beschrieben, sondern auch analysiert und in einen breiteren Kontext gestellt.

Was VĂĄclavĂ­k festhielt

Der Umfang der Monografie ist beeindruckend. VĂĄclavĂ­k dokumentierte:

Vieles von dem, was VĂĄclavĂ­k festhielt, wĂ€re ohne seine Arbeit unwiederbringlich verloren gegangen. Eine Reihe von BrĂ€uchen und HandwerkskĂŒnsten ist im Laufe des 20. Jahrhunderts verschwunden, und seine Monografie bleibt das einzige verlĂ€ssliche Zeugnis.

Akademische Laufbahn

VĂĄclavĂ­ks Arbeit blieb nicht unbemerkt. Aus dem Dorflehrer wurde ein angesehener Wissenschaftler – Professor fĂŒr Ethnografie an der Masaryk-UniversitĂ€t in BrĂŒnn. Er hielt Vorlesungen, betreute Studenten und setzte seine Forschungen zur mĂ€hrischen Volkskultur fort. Er starb am 4. Dezember 1959 in BrĂŒnn im Alter von 68 Jahren.

Was er hinterlassen hat

Das Museum des Luhačovice-ZĂĄlesĂ­ fungiert bis heute als Zweigstelle des Museums fĂŒr SĂŒdostmĂ€hren in ZlĂ­n. Die Dauerausstellung „Das bekannte und unbekannte Luhačovice“ zeigt den Lebensstil der Region zu Beginn des 20. Jahrhunderts – InnenrĂ€ume, Holzwerkzeuge, Strohwaren, Keramik, Fayence, bemalte Eier und Trachten.

Die Monografie „LuhačovskĂ© ZĂĄlesí“ ist heute eine SammlerraritĂ€t. Im Jahr 2005 erschien ein Faksimile-Nachdruck im Verlag Atelier IM Luhačovice, doch auch dieser ist bereits schwer zu bekommen. Informationen zum Buch finden Sie in der Buchdatenbank.

VĂĄclavĂ­ks VermĂ€chtnis ist auch fĂŒr heutige Besucher von Luhačovice aktuell. Wer die hiesige Region verstehen will – ihre Geschichte, ihre BrĂ€uche und den Charakter der Menschen –, findet in seinem Werk den besten ReisefĂŒhrer.

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Karel Kadlčík · Luhačovice.cz